Tech-Konzentration als Warnsignal
Es klingt nach guten Nachrichten: Im vergangenen Mai legte der S&P 500 um 5,26 % zu. Ein starkes Signal – zumindest auf den ersten Blick. Sieht man es sich nämlich etwas genauer an, welche Sektoren für diesen Monat welchen Beitrag geleistet haben, offenbart sich ein strukturelles Problem: Von den genannten 5,26 Prozentpunkten kamen 5,60 allein aus dem Technologiesektor. Zyklische Konsumgüter und das Gesundheitswesen lieferten mit knapp über 0,2 % marginale positive Beiträge. Acht weitere Sektoren belasteten die Performance jedoch – darunter Energie, Basiskonsumgüter und der Finanzsektor. Der Markt ist im Mai also zwar gestiegen, aber nicht in der Breite.
Dabei sieht die fundamentale Lage deutlich besser aus als die Marktstruktur vermuten lässt. Für das erste Quartal konnten die Unternehmen robuste Gewinne ausweisen und für die kommenden Quartale war der Optimismus der Analysten ungewöhnlich hoch. Im Verlauf von April und Mai revidierten Analysten ihre Schätzungen des Gewinns pro Aktie für das zweite Quartal 2026 um 2,5 % nach oben.
Eine leichte Korrektur der Gewinnerwartungen für das zweite Quartal nach oben klingt zunächst unspektakulär, ist es aber nicht: Normalerweise sinken die Gewinnschätzungen in den ersten zwei Monaten eines Quartals. Diesmal nicht, im Gegenteil: Der aktuelle Anstieg ist der stärkste seit fünf Jahren. Damals hatten im dritten Quartal 2021 die Schätzungen um 3,8 % zugelegt.
Auch für das Gesamtjahr hellt sich das Bild auf: Die Gewinnschätzungen sind zwischen Ende März und Ende Mai auf breiter Basis für das Gesamtjahr 2026 um 5,3 % gestiegen. Dabei verzeichnen neun von elf Sektoren Aufwärtskorrekturen, angeführt vom Energiesektor mit einem Plus von über 40 %. Die Unternehmensgewinne liefern und die Analysten sind so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Einschränkend muss man jedoch sagen, dass die extreme Konzentration der Kursgewinne auf den Technologiesektor ein strukturelles Warnsignal bleibt. Ein Markt, der auf einem einzigen Sektor ruht, ist anfällig – auch dann, wenn die Fundamentaldaten glänzen.