Höheres Zins- und Renditeumfeld zu erwarten
Die letzten Tage haben gezeigt, wie komplex und schwer prognostizierbar die Lage in der Golfregion bleibt – und mit ihr die Reaktionen der Finanzmärkte. Wirkte die Perspektive einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus noch stabilisierend auf die Energiepreise, erhöht die von den USA angekündigte Blockade der Meerenge wieder das Konfliktpotenzial. Auch die Positionierung weiterer betroffener Staaten ist bislang unklar.
Selbst die jüngsten Entwicklungen bestätigen jedoch, dass Rücksetzer in geopolitisch getriebenen Phasen opportunistisch genutzt werden können. So gewinnt für die Aktienseite selektives Investieren weiter an Bedeutung. Besonders attraktiv sind dabei Unternehmen, die über klare Wettbewerbsvorteile verfügen. Dies kann Preissetzungsmacht ebenso sein wie technologische Führerschaft oder Monopol- bzw. Alleinstellungsmerkmale.
Auf der Rentenseite wiederum ist es sinnvoll, sich für ein strukturell höheres Renditeumfeld zu positionieren. Dabei gehen die zu erwartenden höheren Zinsen und Renditen einerseits mit erhöhten Risiken einher, gleichzeitig bieten sie neue Chancen: Hier helfen kurze Laufzeiten Rentenanlegern, die Sensitivität gegenüber Zinsanstiegen zu reduzieren und in Phasen steigender Renditen Kursverluste zu begrenzen. Gleichzeitig ermöglichen sie es, die investierten Gelder schneller wieder anzulegen – dann vielleicht zu höheren Zinssätzen. Wichtig ist außerdem eine hohe Bonität der Emittenten. Sie trägt dazu bei, auch in volatilen Marktphasen Stabilität und Planbarkeit der Cashflows zu sichern. Dieser Aspekt gewinnt gerade in geopolitisch angespannten Zeiten zunehmend an Bedeutung.
Insgesamt dürfte die Situation in der Golfregion jedoch angespannt bleiben. Auch wenn trotz der US-Blockade offenbar Öltanker die Straße von Hormus passieren können, liegt hier der Kern unseres zentralen Risikoszenarios: Neben erneuten Anstiegen der Ölpreise würde eine neue Eskalation Belastungen für die globale Konjunktur und Rückschläge an den Aktienmärkten bedeuten – und als Reaktion darauf die Flucht in sichere Häfen mit sich bringen, wie z. B. Staatsanleihen hoher Bonität. Ein stabiler Trend für die Gesamtsituation am Golf zeichnet sich jedenfalls noch nicht ab und die Lage bleibt fragil.
Für Anleger bleibt eine disziplinierte Portfoliostruktur mit Fokus auf Qualität und Risikobewusstsein entscheidend. Es gibt weiterhin Chancen an den Aktienmärkten, aber nicht nur dort: Um von dem zu erwartenden strukturell höheren Renditeumfeld nachhaltig zu profitieren, halten wir insbesondere eine konservative Positionierung im Rentenbereich für einen zentralen Baustein.