Grönland, Zolldrohungen und Japan rütteln die Märkte wach
Noch vor wenigen Tagen wirkte der Jahresstart an den Finanzmärkten erstaunlich geordnet: nur kleine Ausschläge, eher konstruktive Jahresprognosen und nur wenig Nervosität. Diese Ruhe könnte nun dahin sein. Binnen kurzer Zeit sind an den Märkten mehrere Belastungsfaktoren zusammengefallen, die sich gegenseitig verstärken: So hat in den USA der Volatilitätsindex, ein gängiges Angstbarometer, zeitweise wieder über der relevanten Grenze von 20 gelegen. Gleichzeitig gerieten Aktien, Staatsanleihen und auch der US-Dollar unter Druck, was auf eine spürbare Neubewertung von Risiken hindeutet. Im Konflikt zwischen den USA und Europa um Grönland kann schon die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Eskalation ausreichen, um an den Märkten Risiken neu einzupreisen und Absicherungen zu verteuern.
In Europa würden mögliche Strafzölle vor allem Unternehmen treffen, deren Gewinne stark von Exportmärkten, globalen Lieferketten und verlässlichen Investitionszyklen abhängen. Zölle können Margen belasten, vor allem erhöhen sie die Unsicherheit über Nachfrage und Preisgestaltung. Die neue Unwägbarkeit hat daher den positiven Jahresstart europäischer Aktien sichtbar gedämpft.
Auch aus Japan kommt keine Beruhigung. Dort sind insbesondere Anleihen mit langen Laufzeiten unter Druck geraten. Die Rendite 40-jähriger Staatsanleihen ist auf über 4 % gestiegen. Kurz vor den für den 8. Februar angesetzten Neuwahlen lassen fiskalische Sorgen und Entlastungspläne ohne klare Gegenfinanzierung befürchten, dass die Anleihenkäufer ausbleiben könnten. Dieses Problem bleibt auch nicht lokal: Über Umschichtungen und Währungsabsicherung kann der Renditeschub japanischer Staatsanleihen auf andere Zinsmärkte ausstrahlen. Gut möglich, dass auch in den USA und Europa die Renditen am langen Ende anziehen.
Im ersten Reflex haben viele Anleger zu Sicherheitsankern wie Edelmetallen und dem Schweizer Franken gegriffen, aber weniger zu Aktien. In den nächsten Tagen dürfte sich entscheiden, ob die Nervosität ab- oder weiter zunimmt. Der Markt achtet besonders auf Signale zur Deeskalation in der Grönland-Frage und auf die Entscheidung des US Supreme Court zur Rechtmäßigkeit der Zölle. Mit Spannung wird auch Trumps Auftritt in Davos und der nahenden Entscheidung über die nächste Fed-Spitze entgegengesehen. Anlegern raten wir, kurzfristige Schlagzeilen nicht mit hektischen Portfolioumschichtungen zu beantworten, sondern in Ruhe ihre Diversifikation zu überprüfen.