Spagat unter Wachstumsdruck
Seit seiner Gründung 1994 hat sich Amazon vom Onlinehändler zu einem Tech-Konglomerat entwickelt, dessen Herz heute die Cloud-Sparte AWS ist. Die lange Ära ungebremsten Wachstums weicht nun einer Phase der Effizienz. Der Konzern baut derzeit rund 16.000 Stellen ab, nach 14.000 Jobs, die bereits im Herbst wegfielen. Vorstandschef Andy Jassy spricht offen von schlankeren Strukturen und KI-getriebenen Produktivitätsgewinnen. Amazon verschlankt sich also, behält aber strategische Zukunftsfelder im Blick und investiert weiter in Schlüsselbereiche. Ein klassischer Umbau, aber unter Wachstumsdruck.
Parallel sichert sich Amazon Rohstoffe: Mit Rio Tinto wurde ein Liefervertrag über Kupfer aus der Nuton-Mine in Arizona geschlossen, der ersten neue US-Kupferquelle seit über einem Jahrzehnt. Die Ausbeute soll mithilfe von AWS optimiert werden. Kupfer ist essenziell für Rechenzentren und Strominfrastruktur. Dieser Deal zeigt, wie ernst Amazon die materielle Basis der KI-Revolution nimmt. Auch strategisch ist KI in den Mittelpunkt gerückt: Amazon verhandelt offenbar über eine Beteiligung an OpenAI, laut Medienberichten in Höhe von bis zu 50 Mrd. US-Dollar. Hinter einer solchen Beteiligung steht weniger Finanzlogik als Cloud-Strategie – Amazon will die Nachfrage nach AWS-Kapazitäten und eigenen KI-Chips absichern.
Der Fokus der Analysten gilt nun den am 05.02.2026 anstehenden Quartalszahlen. Für das abgelaufene Vierteljahr erwarten sie einen Umsatz von rund 211 Mrd. US-Dollar: ein Plus von etwa 13 % gegenüber dem Vorjahresquartal und ein weiteres Zeichen für die robuste Nachfrage in E-Commerce und Cloud. Das erwartete Ergebnis je Aktie von 2,39 US-Dollar liegt sogar mehr als 30 % über dem Wert des Vorjahresquartals. Entscheidend wird sein, ob der Konzern dieses Gewinnwachstum trotz der hohen Investitionen in KI und Rechenzentren nachhaltig fortsetzen kann.
Die Wall Street bleibt jedenfalls optimistisch: Für 95,3 % der Analysten ist die Aktie ein Kauf, das Konsens-Kursziel liegt mit rund 300 US-Dollar gut 25 % über dem aktuellen Niveau. Die Werttreiber sind dabei besonders AWS, Werbung und Automatisierung. Amazon bleibt ein Schlüsselprofiteur der KI-Ära: Die Richtung stimmt, doch der Weg ist teuer: Sollten Cloud-Wachstum oder Margen enttäuschen oder die Regulierung zunehmen, drohen Rückschläge. Für langfristige Anleger überwiegen jedoch die Chancen.