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Kapitalmarkt im Fokus – Analysen und Einschätzungen der Fürst Fugger Privatbank: Anleger verkaufen, Notenbanken stocken auf

Was die Kluft am Goldmarkt über die Rolle des Edelmetalls im Depot verrät

Gold hat schwierige Monate hinter sich. Seit dem Rekordstand im Januar hat das Edelmetall deutlich nachgegeben und notiert inzwischen spürbar unter seinem Jahreshoch. Steigende Energiepreise haben die Erwartung genährt, dass die Notenbanken die Geldpolitik länger straff halten müssen. Für eine Anlage, die weder Zinsen noch Dividenden abwirft, ist das Gegenwind.

Interessant ist, wer in dieser Phase gekauft und wer verkauft hat: Aus Gold-ETFs flossen zuletzt netto Mittel ab. Die Zentralbanken dagegen haben ihre Bestände weiter aufgestockt – auf ein Rekordniveau. Und die große Mehrheit von ihnen will weiter zukaufen. Verkauf hier – Zukauf dort. Der Unterschied liegt in der Motivation: Eine Notenbank kauft Gold, weil sie ihre Währungsreserven breiter aufstellen und die Abhängigkeit von einzelnen Staatsanleihemärkten verringern will. Daran ändert sich nicht gleich etwas, wenn der Preis schwankt. Ein Anleger mit einem Gold-ETF im Depot reagiert hingegen anders – weil sein Ziel meistens ein anderes ist.

Für Privatanleger stellt sich daher die Frage, welche Aufgabe Gold in ihrem Depot erfüllen soll. Wer Gold als Versicherung versteht, akzeptiere bewusst, dass es in normalen Marktphasen nichts erwirtschaftet und zeitweise an Wert verliert. Eine Versicherung bewertet man schließlich nicht danach, ob sie im vergangenen Jahr Rendite abgeworfen hat. Sie muss dann greifen, wenn andere Anlagen unter Druck geraten. Ein fallender Preis allein ist daher kein Grund, die Position aufzugeben – wohl aber ein Anlass zu prüfen, ob ihr Gewicht noch zum Gesamtportfolio passt.

Wer Gold dagegen als Renditebaustein einsetzt, muss dieselben Maßstäbe anlegen wie bei jeder anderen Anlage: Es braucht eine Vorstellung davon, was den Preis treiben soll, und eine Regel für den Fall, dass diese Erwartung nicht eintritt.

Beide Ansätze sind legitim. Problematisch wird es nur dort, wo die Rolle nie geklärt wurde – wenn also eine als Versicherung gedachte Position plötzlich an ihrer Rendite gemessen wird oder umgekehrt. Wer weiß, warum er etwas hält, muss den Tagespreis nicht jede Woche neu bewerten. Das haben die Notenbanken in diesem Jahr deutlich gezeigt.

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