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Entwicklungen am Kapitalmarkt im Blick – mit den Experten der Fürst Fugger Privatbank: Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

Ein Blick auf Öl-Aktien

Als im Iran die ersten Raffinerien in Flammen aufgingen, schnellte der Preis für die US-Rohölsorte WTI auf knapp 120 US-Dollar je Barrell hoch, der höchste Stand seit Mitte 2022. Für viele Marktteilnehmer löste das den natürlichen Reflex aus, Ölaktien zu kaufen, um von den höheren Ölpreisen zu profitieren. Die Dynamik ist jedoch entwichen und es setzten Gewinnmitnahmen ein – kein Wunder nach einem fünfmonatigen Anstieg.

Der Ölpreis steht auch im Fokus der US-Regierung. Präsident Trump hat vor den Midterm-Wahlen im Herbst größtes Interesse daran, die Aktienmärkte und damit die Stimmung positiv zu halten. Fast sieht es jedoch so aus, als habe er sich mit dem Iran-Einsatz zeitlich verschätzt. Die Dauer des Konflikts ist jedoch entscheidend für die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte – je länger, desto negativer. Dabei können Beobachter immer noch kein klares Kriegsziel erkennen. Dennoch dürfte eine kurzfristige Beendigung der Kampfhandlungen das wahrscheinlichste Szenario sein, denn der innenpolitische Druck in den USA, die Kampfhandlungen möglichst bald zu beenden, nimmt zu.

Rohöl bleibt eine kritische Komponente für das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Unter Ökonomen gilt die Daumenregel, dass jeder Anstieg des Ölpreises um 10 % das globale Wachstum um 0,1 % reduziert und gleichzeitig die Inflationsrate um 0,2 % erhöht. Ein Ölpreisanstieg von 30 % kann also das Wachstum um 0,3 % drücken und die Inflation um 0,6 % erhöhen. Im Herbst wurden Energieaktien mit ihren kapitalintensiven Geschäftsmodellen noch als Börsen-Dinosaurier angesehen: günstig bewertet, aber von gestern. Die Aufmerksamkeit galt stattdessen dem KI-Trend. Dieses Sentiment hat sich komplett gedreht: Die Bedeutung von Ölaktien für die Energieversorgung der großen Datencenter ist jetzt in aller Munde. Dafür ist es um Technologiewerte etwas stiller geworden.

Natürlich stellt sich die Frage, ob Anleger davon profitieren können. Im Aufwärtstrend der Energieaktien seit Oktober haben die eher spekulativeren Öl-Dienstleister eine besonders gute Performance gezeigt. Sollte sich dieser Trend jetzt umdrehen, könne das auf ein insgesamt limitiertes Potenzial von Ölaktien hindeuten. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn der Iran-Krieg tatsächlich schnell beendet werden könnte. In der Konsolidierung bei Energieaktien könnte man allerdings auch eine Chance zum Zukauf sehen. Die Chartanalyse zeigt für den Ölsektor eine steigende 200-Tage-Linie. Danach ist der Aufwärtstrend bei Energieaktien noch frisch und es hat zuvor eine ausgeprägte Konsolidierung stattgefunden. Dies spricht für einen intakten langfristigen Trend und weiteres Aufwärtspotenzial.

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