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Entwicklungen am Kapitalmarkt im Blick – mit den Experten der Fürst Fugger Privatbank: Die Fed im Dilemma

Zinserhöhungen können die Straße von Hormus nicht öffnen

Bei einer Inflationsrate von 3,8 % und einer hartnäckigen Kerninflation von 2,8 % liegen die Instrumente, die der US-amerikanischen Zentralbank zur Verfügung stehen, eigentlich auf dem Tisch. Eigentlich. Denn sie müsste die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Doch diese klassische Lehrbuchreaktion fällt diesmal aus. Wir befinden uns in einem Umfeld, das durch die Geopolitik und den Energiepreisschock bereits stark belastet ist. Mit einer Straffung der Leitzinsen würde die Fed das Risiko einer Rezession deutlich erhöhen.

Das ist die eine Seite des Dilemmas. Die andere ist, dass der Fed gleichzeitig der Spielraum nach unten fehlt. Solange nämlich die Inflation so klar über dem 2 %-Ziel liegt, sind der Fed auch hier die Hände gebunden. Senkt die Fed jetzt die Zinsen, beschädigt sie ihre Glaubwürdigkeit als Inflationsbekämpferin und riskiert eine zweite Teuerungswelle. Sie ist also faktisch zur Untätigkeit verurteilt. Dieses ohnehin delikate Szenario wird durch die Natur der aktuellen Inflation zusätzlich belastet. Hier lohnt es sich, hinzusehen, wo der Ursprung der preistreibenden Faktoren liegt. Ein Teil des Preisdrucks stammt von Energie und geopolitischen Angebotsstörungen. Höhere Zinsen können aber keine Tanker durch die Straße von Hormus schicken. Die Notenbank kann diese Art von Faktoren mit ihrem Zinsinstrument also gar nicht direkt beeinflussen.

Jenseits dieser beschriebenen Angebotsstörungen reicht das Problem noch tiefer. Selbst wenn man diese externen Schocks herausrechnet, bleibt die Kerninflation mit 2,8 % hartnäckig erhöht. Die Teuerung sitzt also auch im binnenwirtschaftlichen Kern, etwa bei Dienstleistungen. Dies lässt sich weder allein auf Geopolitik schieben noch durch deren Abklingen automatisch lösen. Diese Gemengelage sorgt dafür, dass der neue Fed-Chef Kevin Warsh gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Druck von mehreren Seiten zu spüren bekommt.

Hinzu kommt ein psychologischer Faktor mit weitreichenden Auswirkungen. Die Fed hat ein Glaubwürdigkeits- und Erwartungsproblem: Je länger die Inflation erhöht bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass sich höhere Teuerungserwartungen bei Unternehmen und Verbrauchern festsetzen. Das würde die Inflation zusätzlich verfestigen und den Handlungsdruck auf die Fed weiter erhöhen, obwohl ihr die Mittel fehlen. Das Ergebnis ist, fast gezwungenermaßen, eine Politik des Abwartens: Anstatt zu senken oder zu erhöhen, dürfte die US-Notenbank die Zinsen vorerst stabil halten und auf eindeutige Daten warten. Dies ist auch nachvollziehbar. Sollten sich Inflation und Konjunktur jedoch in unterschiedliche Richtungen entwickeln, macht dies die Fed angreifbar.

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