Beginnt ein neuer Superzyklus?
Über Jahre galten Rohstoffe als altmodisch, volatil oder schlicht uninteressant. Nun sind sie wieder in den Fokus internationaler Investoren gerückt. Viele Marktbeobachter fragen sich sogar, ob wir am Beginn eines neuen Rohstoff-Superzyklus stehen. Der wird meistens durch strukturelle Veränderungen, z.B. Industrialisierung, Energieumbrüche oder demografische Entwicklungen ausgelöst. Für ein solches Szenario sprechen gleich mehrere Faktoren:
Die geopolitische Lage verändert aktuell die strukturelle Nachfrage nach Rohstoffen: Staaten und Unternehmen sichern sich gegen Versorgungsrisiken ab und bauen zusätzlich strategische Reserven auf, vor allem bei Energie, seltenen Erden und Industriemetallen.
Hinzu kommt, dass der technologische Zyklus, in dem wir uns befinden, große Mengen an Rohstoffen benötigt. So brauchen Batterien, Windräder oder E-Autos z.B. Kupfer, Nickel, Lithium und seltene Erden. Auch der KI-Fortschritt trägt zum großen Rohstoffhunger bei: Rechen- und Datenzentren verschlingen Energie, Silizium, Kupfer und Spezialmetalle – das Angebot kann mit der Nachfrage kaum Schritt halten.
Zusätzlich macht die makroökonomische Gemengelage Rohstoffe wieder attraktiv: Anleihen finden erst langsam wieder zu real positiven Renditen zurück und die Aktienbewertungen wirken zum Teil bereits angespannt. Rohstoffe sind daher zunehmend zur Diversifizierung, als Schutzschild und zugleich als Performancebaustein gefragt. Hatten Anleger sie jahrelang untergewichtet, werden die Allokationen jetzt wieder erhöht.
Trotz Konjunktursorgen stabilisieren sich die Energiepreise daher auf hohem Niveau. Auch Industriemetalle steigen, obwohl mit China einer der wichtigsten Abnehmer nur eine moderate Dynamik aufweist. Gold hält sich hartnäckig auf Rekordständen, getragen von Zentralbankkäufen und dem Wunsch nach Wertstabilität in unsicheren Zeiten.
Historisch betrachtet, ist der Rohstoffmarkt notorisch schwankungsanfällig und euphorische Phasen haben oft abrupt geendet. Der aktuelle Trend zeigt jedoch, dass die Nachfrage nach Rohstoffen nicht einem vorübergehenden Engpass geschuldet ist. Rohstoffe sind wieder ein bedeutender strategischer Bestandteil von Allokationen. Anleger, die jahrelang fast ausschließlich in Tech-Giganten investiert haben, entdecken wieder die Breite der realen Weltwirtschaft. Wer die Kapitalmärkte 2026 verstehen will, sollte daher auf mehr schauen als Serverfarmen und Chips. Denn die Zukunft ist zwar digital, sie baut jedoch buchstäblich auf Rohstoffe.