Was die Entwicklung der Vormonate über die kommende Marktphase sagt
Jedes Jahr im Mai erfährt das alte Börsensprichwort „Sell in May and go away“ große Aufmerksamkeit. Nicht ganz umsonst, stellen die sechs Monate ab Mai historisch betrachtet doch die schwächste zusammenhängende Phase im Börsenjahr dar. In Zahlen: Nur in rund 66 % der Jahre schloss der S&P 500 im Plus und erzielte dabei lediglich eine Rendite von 2,1 %. Nun mögen diese 2,1 % eher überschaubar klingen, am Ende stellen sie jedoch immer noch ein Plus dar. Saisonale Muster sollten daher nicht die alleinige Grundlage für Anlageentscheidungen sein. Sie im Auge zu behalten ist dennoch sinnvoll. Sie werden in den kommenden Wochen häufig thematisiert und beeinflussen damit auch die Stimmung. Und bekanntermaßen ist ja Börse zu 90 % Psychologie, wie eine andere Börsenweisheit besagt. Doch auch die könne trügerisch sein.
Vor einem Jahr hatten beispielsweise viele Marktteilnehmer ein rasches Ende der starken April-Rallye und einen ausgeprägten Bärenmarkt-Sommer erwartet. Eingetreten ist jedoch das genaue Gegenteil, nämlich die stärkste „Sell in May“-Rallye über sechs Monate hinweg in der Geschichte. Entgegen der saisonalen Erwartung zeigt sich, dass der S&P 500 Index in neun der letzten zehn Jahre selbst in dieser als Dürreperiode geltenden Phase positive Renditen erwirtschaftete. Die haben sich diejenigen Anleger entgehen lassen, die im Mai ausgestiegen sind.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Verlauf des Jahresauftakts: Hat sich der Markt vor Beginn dieser sechs Monate positiv entwickelt, fielen die anschließenden Ergebnisse deutlich besser aus. Lag der S&P 500 bis Anfang Mai im Plus, dann stieg die durchschnittliche Rendite der folgenden sechs Monate von 2,1 % auf 4,2 %. Dieses Jahr ist das der Fall. Auch die umgekehrte Logik traf in der Regel zu: Einigen der schwächsten „Sell in May“-Phasen der Börsengeschichte ging jeweils ein negativer Start ins Börsenjahr voraus.
Wo viel Rauch ist, da gibt es auch Feuer, sagt ein Sprichwort. Ähnlich verhält es sich mit den altbekannten Sprüchen der Börsianer. Die gängigen Börsenweisheiten dürfen nicht als feste Regeln verstanden werden. Sie beruhen jedoch auf langjährigen Beobachtungen. Daher laden sie dazu ein, immer wieder etwas genauer hinzuschauen und mögliche Zusammenhänge zu erkennen – wie etwa die Entwicklung der vorherigen Monate.