Wandel der Energielandschaft betrifft alle Bereiche
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat nach Aussagen der Internationalen Energieagentur (IEA) eine gravierendere Öl- und Gaskrise ausgelöst als frühere Krisensituationen. Besonders betroffen seien Entwicklungsländer, aber auch Europa, Japan und Australien spürten die Auswirkungen deutlich. Ähnlich ist die Einschätzung des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Berliner Forscher betonen zudem, dass erneut offengelegt würde, welche Risiken die Abhängigkeit von fossilen Energien berge.
Das Thema Energiesicherheit ist jedenfalls wieder in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt – und damit auch seine Investierbarkeit. Der Iran-Krieg hat fossile Energien massiv verteuert und zu starken Kursgewinnen bei Öl- und Gas-Unternehmen geführt. Gleichzeitig erleben alternative Energien ein großes Comeback und Investments in diesem Bereich weisen ebenfalls beachtliche Kursgewinne aus. Derzeit beflügeln drei große Wachstumstreiber das Thema Energie: Rechenzentren, das sogenannte Reshoring, also die Rückführung von Industrie und Dienstleistungen, sowie Investitionen der Versorger.
Rechenzentren sind elementar für die Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz. Mit zunehmender Nutzung steigt daher auch der Strombedarf. Es wird erwartet, dass sich die weltweite Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität bis 2030 mehr als verdreifachen könnte. Diesen exponentiell wachsenden Energiebedarf der Rechenzentren können auch Effizienzgewinne durch technischen Fortschritt nicht ausgleichen. Reshoring beschreibt den Trend, Energie wieder verstärkt selbst zu erzeugen, anstatt sie günstig auf dem Weltmarkt einzukaufen. Nutzen die USA dafür eigenes Öl und Gas, baut China schon jetzt mehr Wind- und Solarkraftanlagen als der Rest der Welt zusammen. Schwellenländer wie Pakistan ziehen nach. Auch Unternehmen wie Tesla setzen auf großflächige Solarparks zur direkten Energieversorgung. Um die steigende Nachfrage nach alternativen Energien bedienen zu können, müssen die Energieversorger massiv in Infrastruktur, Smart Grids und Energieeffizienz investieren. Besonders europäische Unternehmen wie Siemens Energy können von diesem Wandel profitieren.
Die wachsende und sich verändernde Energienachfrage betrifft alle Wirtschaftsbereiche – von der industriellen Automatisierung über Gebäudeeffizienz bis hin zu erneuerbaren Kraftstoffen und Netzinfrastruktur: Die weltweite Veränderung der Energielandschaft zählt zu den wichtigsten Investmentthemen unserer Zeit. Die aktuelle Energiekrise unterstreicht dies nur. In einem gut diversifizierten Portfolio sollte der Bereich Smart Energy daher einen Platz als langfristige Beimischung haben.